Sechseläuten
Das Zürcher Zunftwesen pflegt die Tradition - einige Zünfte sind stolze Besitzer eines eigenen Restaurant mit kostbaren Kunstverglasungen, andere statten die Zunftlaternen mit einem Familienwappen aus Glas aus. Auch wir sind der Tradition verpflichtet und können diese kostbaren Güter unterhalten und reparieren und mit der Reparatur einer Glasmalerei oder Zunftlaterne zum Erhalt beitragen.
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Zürcher Zunftwesen
Ursprünge
Nach Jahrhunderten der Stagnation erlebte Europa vom 11. bis 13. Jahrhundert eine Phase des Aufschwungs. Die Bevölkerung wuchs in starkem Masse; Wirtschaft, Handel und Verkehr blühten.
In diesem Umfeld entstanden in ganz Europa aus ursprünglich religiösen Bruderschaften sogenannte Handwerksvereinigungen, Innungen, Gilden, Korporationen und Meistergruppen, welche die Interessen ihres Gewerbes oder Standes vertraten. Ein Marktrecht, städtische Verhältnisse und ein möglichst guter Verkehrsstandort waren die Voraussetzungen für solche Gründungen.
Im Verlaufe des 12. und 13. Jahrhunderts versuchten sich diese Vereinigungen auch politisch zu betätigen und Einfluss auf das Regiment zu nehmen, was aber nur teilweise gelang. In Zürich wurden diese Bestrebungen ganz energisch zurückgebunden. Die Stadt wurde durch einen Rat von Rittern und freien Burgern regiert, welche grosse wirtschaftliche Macht besassen, die sie zu Ungunsten der Kleinhändler und Handwerker gnadenlos ausnutzten, um ihren Einfluss mehr und mehr auszudehnen.
Brunsche Zunftverfassung
Am 7. Juni 1336 kam es zur «Handwerkerrevolution» in der Stadt Zürich. Unter Führung des jungen Ritters Rudolf Brun
stürmten Handwerker und Krämer das Rathaus. Die vorgewarnten Ratsherren flohen, hauptsächlich nach dem habsburgischen Rapperswil.
Innert kürzester Zeit hatte Brun eine Zunftverfassung nach dem Vorbild des «Schwörbriefes» der Stadt Strassburg aus dem Jahre 1334 ausgearbeitet, in welcher er die Machtverhältnisse in der Stadt Zürich neu regelte. Die bestehenden Korporationen wurden neu formiert, neu gruppiert und zu Zünften als feste Organisationen zusammengefasst. So kam es, dass auch Berufsgruppen, die miteinander wenig oder nichts zu tun hatten, der gleichen Zunft zugeteilt wurden. Ein typisches Beispiel ist die Zunft zur Meisen, die Wirtsleute, Sattler und Maler umfasste.
Die Zünfte waren wirtschaftliche, politische und militärische Organisationen. Aus ihren Vertretern wurde der Rat gebildet. Nur über die Zünfte konnte ein Bürger in den Rat gelangen. Der Ausdruck «Die Zünfte sollen haben ein Banner» entsprach ihrer militärischen Bedeutung und Struktur.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Zunftstädten Europas, in denen der Klerus oder der Adel über den Zünften standen, bildeten in Zürich die Zünfte und ihre Vertreter die oberste politische Machtstruktur. In den Zünften mussten sich die einzelnen Handwerke selber organisieren; sie hatten ihr eigenes Gefüge. Die Obmänner waren als Vorsteher ihres Handwerkes, z. B. der Maurer, Zimmerleute, Maler, Sattler oder Goldschmiede, verantwortlich.
Die Handwerke regelten in ihren Ordnungen auch die Ausbildung der Lehrlinge, die Wanderzeit der Gesellen, sorgten für Qualitätskontrollen und hatten gegenüber ihren Mitgliedern auch soziale Funktionen.
Gesellschaft zur Constaffel und
die Zünfte regieren Zürich
Nach der Brunschen Zunftverfassung stellten die 13 Zünfte mit ihren (amtierenden) Zunftmeistern neu die eine Hälfte des kleinen Rates.
Die alten Ritter, Edelleute und die Brun treugebliebenen Grosskaufleute vereinte er in der vornehmen Gesellschaft der «Constaffel». Sie
bildeten die Kavallerie, waren für den persönlichen Schutz des Bürgermeisters verantwortlich und schickten 13 Vertreter in den Rat.
Zusammen mit dem Vorsitzenden Brun – welcher ebenfalls der Constaffel angehörte – besassen
sie immer die Mehrheit.
Neben dem Kleinen Rat gab es noch den Grossen Rat, den sogenannten Rat der 200. Dieser setzte sich aus den zwei Zunftmeistern und Vertretern
der Gesellschaft zur Constaffel und der Zünfte zusammen (jede Zunft hatte zwei Zunftmeister, welche sich halbjährlich im Amt ablösten).
Die Gesellschaft zur Constaffel hatte 18 und jede Zunft 12 Delegierte; dazu von jeder Zunft zwei Zunftmeister und von der Gesellschaft zur Constaffel
vier Constaffelherren. Ein Sitz war wiederum vom Bürgermeister besetzt. Die restlichen Sitze gingen an vom Rat selbst zugewählte Bürger.
Nur den Mitgliedern im Rat waren die wichtigsten Posten z. B. Landvogt usw. vorbehalten. Daneben gab es die sogenannten «Gemeinen Bürgerlichen Ämter
und Dienste», die an einfache Stadtbürger vergeben wurden, wie Nachtwächter,
Brunnenmeister, Stadtimker, Stadttrompeter, Uhrenrichter usw.
Die Zürcher Mordnacht
1350 versuchten die aus Zürich verbannten Räte von Rapperswil aus in der «Zürcher Mordnacht» vom 23. auf den 24. Februar Brun und seine Neuordnung zu stürzen. Der Anschlag auf Brun und seine Anhänger misslang, der Sage nach vor allem dank dem heroischen Eingreifen der Zunft der Metzger. 15 Verschwörer fielen, 35 wurden gefangen. Von diesen liess Brun 17 enthaupten und die übrigen rädern.
Verlust der politischen Rechte
1798, nach 462 jähriger Vorherrschaft der Zünfte in der Stadtstruktur, lösten Franzosen nach ihrem Einmarsch unter der
Devise «Liberté, Egalité, Fraternité» und der Gewerbefreiheit die politischen Zünfte auf. Die Zünfte verkauften
mit wenigen Ausnahmen ihr Zunfthaus. Auch der Silberschatz wurde veräussert oder unter den Zünftern
aufgeteilt.
Die Handwerksvereinigungen blieben noch bestehen, sie gingen mit der Gewährung der Gewerbefreiheit und der Liberalisierung des Handels in
den Dreissigerjahren des 19. Jahrhunderts unter. Allerdings hatte man nach fünf Jahren politischer Unsicherheit die Zünfte als Wahlgremien
wieder eingesetzt, auf der Landschaft wurden die sogenannten Wahlzünfte gebildet, und so erhielt das Wort Zunft in Zürich im 19. Jahrhundert
als Bezeichnung für einen Wahlkreis auch eine zusätzliche
Bedeutung.
In der Zeit des Biedermeiers, als politische und berufsbezogene Aufgaben fehlten, suchten junge Zünfter innerhalb ihres Kreises neue Betätigungen.
Ab 1818 begannen sie mit einfachen nächtlichen Umzüglein, die sich auch in den folgenden Jahren wiederholten, 1830 erstmals bei Tag.
1838 ersetzten neue politische Strukturen die Wahlkreise und bei der Gemeindereform von 1866 verloren die Zünfte
die letzten politischen Rechte.
Seither bilden die Constaffel und die Zünfte Vereinigungen, «in welchen der alte Kern der Bürgerschaft die Liebe zur Vaterstadt,
zur engern und weitern Heimat, einen gut bürgerlichen Sinn und das Verständnis für alte zürcherische Sitten, Gebräuche
und Feste wachhält und pflegt». Kurz: Vereinigungen von Männern mit ähnlichen
traditionellen Interessen.
Zünfte der jüngeren Linie
Dass hiefür ein echtes Bedürfnis bestand, ergibt sich aus der Tatsache, dass unmittelbar nach dem Schwinden jeglichen politischen Einflusses 1867 spontan eine Gesellschaft entstand, um «den gleichen Zwecken zu dienen wie die alten Zünfte». Dieser «Stadtzunft», wie sich die neue Gesellschaft nannte, folgten dann weitere Zünfte «der neuen Linie», die meisten in zwei Schüben, nämlich im Zusammenhang mit den Eingemeindungen von 1893 und 1934. Die Gründerväter der Quartierzünfte wollten sich einerseits bewusst zur Stadt bekennen, andererseits aber auch die Erinnerung an die ehemaligen Gemeinden wach halten.
Zunft Hard
Den Gründern der Zunft Hard fiel die Wahl ihres Wahrzeichens nicht schwer: Der Hardturm, Zeuge der Vergangenheit und Symbol der Wehrhaftigkeit.
Die Gemeinde Aussersihl, zu der auch die "Au in der Hard", Standort des Turmes gehörte, war 1893 Teil der Stadt geworden. Die Zunft
aber wurde erst 1922 gegründet, als enger Zusammenschluss von Gewerblern und Handwerkern in einer wirtschaftlich schwieriger gewordenen Welt.
Dazu gehörte auch der Glasmaler Heichrich Mäder, welcher 1923 die Firma Glas-Mäder übernommen hatte. Ruedi Mäder (Enkel von
Heinrich Mäder) sowie der heutige Inhaber von Glas-Mäder, Peter Muggler gehören auch dieser löblichen Zunft an.
Glas Mäder AG
Design, Kunst & Bau seit 1887
Freyastrasse 12, 8036 Zürich
Telefon +41 (0)44 299 20 00 — Telefax +41 (0)44 299 20 09
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